Tango Operita von Astor Piazzolla
Libretto: Horacio Ferrer
Inszenierung: PETER WAGNER
Musikalische Leitung: DAVORIN MORI
Musikalische Formation: TANGO QUINTETT PIAZZOLLEKY
eine Produktion des klagenfurter ensemble in Koproduktion mit dem Jungen Theater Klagenfurt
Premiere: 30. September 2026 – 20 Uhr
weitere Vorstellungen: 2., 3., 7., 8., 9., 10., 21., 22., 23., und 24. Oktober – 20 Uhr
Spielort: theaterHALLE11, Messeplatz 1 / 11, Klagenfurt
Kartenreservierung: 0463 310 300 / ke@klagenfurterensemble.at
Kartenpreise: € 35.- normal, € 25.- ermäßigt

„Der Tango ist ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann.“ Was der argentinische Komponist Enrique Santos Discépolo in einem Satz gefasst hat, entfaltet Astor Piazzollas Tango-Operita María de Buenos Aires zwar bewusst nicht als Tanz-Stück, doch aber über knapp zwei Stunden hinweg als surreales Poem, als Passion, als Liebeserklärung an eine Stadt und ihre Verlorenen.
María kommt aus den Vororten von Buenos Aires. Sie sucht das Leben und findet den Tango, die Unterwelt, den Tod. Und kehrt wieder. Als Schatten ihrer selbst durchstreift sie die Straßen der Stadt, schreibt Briefe an Bäume und Kamine, gebiert am Ende eine neue María – vielleicht sich selbst. So erzählt es Horacio Ferrer, der uruguayische Dichter, den sich Piazzolla als Librettisten gewünscht hatte: in einer surrealistischen Poesie, die das Publikum der Uraufführung 1968 vor manche Rätsel gestellt hat – und die das bis heute tut. Und doch: Was die Sprache in Poesie packt, gibt die Musik unmittelbar wieder. In Melancholie, Temperament und jenem dunklen Glanz, der den Tango von allem anderen unterscheidet, löst sie Empfindungen aus, befördert Empathie und lässt die Verve der Musik mit ihren hochpoetischen Texten sozusagen durch den eigenen Körper fließen.
Tango – das klingt zunächst nach Tanzkurs und Fernweh, nach ein bisschen verruchter Erotik und sehr beweglichen Beinen. Damit konnte Piazzolla gar nichts anfangen. Im Gegenteil: Er hat den Tango an seinen Ursprungsort zurückgebracht – in die Welt der Gauchos, Diebe, Zuhälter, Obdachlosen, Puffmüttern, magischen Maurer, Nudelkneterinnen und von den Ereignissen Trunkenen. Nicht der gepflegte Salontango ist seine Welt, sondern das Keuchen der Hafenviertel, der Geruch der Kanalschächte, das Glitzern einer Stadt, die ihre Kinder liebt und vernichtet. Und mitten darin: María. Sie ist keine Heldin im konventionellen Sinne. Sie ist eine Verkörperung – der Stadt selbst, des Tangos selbst, der unzerstörbaren Lebenskraft all jener, die Buenos Aires hervorbringt und verschlingt.
Das klagenfurter ensemble bringt diesen Klassiker des modernen Musiktheaters in einer Inszenierung von Peter Wagner auf die Bühne: konzentriert, sparsam in den Mitteln, von innen heraus leuchtend. Differenzierende Akzente in Spiel und musikalischer Pointierung sind ihr Elixier. Denn ein Theaterhaus der Größe des klagenfurter ensemble klotzt nicht mit Kohorten an Darsteller:innen und Materialien wie die großen Opernhäuser – es setzt auf das Wesentliche. Und das Wesentliche, das wird man nicht vermissen: Die Opulenz dieses Werks äußert sich primär in der Musik und in der Bühnenchoreografie, nicht im Aufwand der Ausstattung.
Irene Coticchio singt die María, Markus Schöttl gibt den erzählenden Geist und der Tenor Luis Hernández-Luque die Männerrollen. Um die drei Solisten agiert ein eigener Bühnenkörper: vorwiegend jugendliche Darsteller:innen des Jugendclubs des Jungen Theaters Klagenfurt als anonyme Zugräger für ein Spiel um Leidenschaft und Irritation, Hingabe und Widerstand, Trauer und unverhohlene Lebensfreude. Das Quintett Piazzolleky unter der musikalischen Leitung von Davorin Mori – Arrangement: Ferry Janoska – ist dabei nicht bloße Begleitung: Als sichtbarer Bühnenkörper ist es gezielt Mitwirkender sowohl in der sprachlich-akustischen als auch der optischen Aufbereitung der Erzählung.
Dem Publikum wird in der Inszenierung eine Übersetzungshilfe durch in die Szenerie eingeblendete Inserts des Textes geliefert. Sie sind aber nicht Vorbedingung für das Verständnis dieses Werks – wie das bei anderen Opern durchaus der Fall sein kann. Denn María de Buenos Aires lebt durch den und durch die Körper, durch den Rhythmus, durch jenen dunklen Glanz, der keine Übersetzung braucht.
Ein Geschenk an alle: Publikum, Mitwirkende – und an das klagenfurter ensemble selbst.
Mit: IRENE COTICCHIO, LUIS HERNÁNDEZ-LUQUE, MARKUS SCHÖTTL
Regie und Bühne: PETER WAGNER
Dirigent: DAVORIN MORI
Musikalische Formation: TANGO QUINTETT PIAZZOLLEKY
MATJAŽ ANTONČIČ
MATJAŽ BALAŽIC
TIMI KRAJNC
STAŠ ČAKŠ
VOJKO VEŠLIGAJ
DAVORIN MORI
Arrangement: FERRY JANOSKA
Choreografie: IRENE COTICCHIO
Kostüm: MARKUS KUSCHER
Regieassistenz: KERSTIN HASLAUER
Hospitanz: ANTONIA WEISSENBACHER
Korrepetition: FERDINAND BAMBICO, OGI TUMUR-OCHIR
Lichtdesign: BERND ZADOW
Ton- und Videotechnik: KONRAD ÜBERBACHER
Bühnenbau: ke Technik Team
Szenenfotos: GÜNTER JAGOUTZ
Grafikdesign: EVELINE RABOLD
Produktionsleitung: SUSANNA BUCHACHER