Lesung: Die letzten Tage der Menschheit von Karl Kraus

DIE LETZTEN TAGE DER MENSCHHEIT von Karl Kraus

Lesung am 31. Juli und 1. August 2020 jeweils 20:30 Uhr

eingerichtet von Peter Wagner

Mit: Angie Mautz, Seraphine Rastl, Michael Kuglitsch, Gerhard Lehner, Gernot Piff.

Karls Kraus’ epochales Werk als Lesetheater, weitgehend gestaltet nach der Textauswahl von Helmut Qualtinger

Zweifelsohne war der Erste Weltkrieg mit seiner bis dahin nicht gekannten Rationalität und Effektivität des Tötens ein Ereignis von apokalyptischer Kraft. Aber es war eben nicht nur der Krieg selbst Ausdruck dieser Apokalypse, sondern parallel dazu auch das Propagandageheul, das sich rund um das industrielle Morden auf den Schlachtfeldern wie ein Schattendämon zum Kriegslärm erhob.

Diesen verbalen Krieg, eine Mischung aus Hybris, Geilheit, Fanatismus und Dummheit, macht Karl Kraus wie kein anderer in seinem dramatischen Jahrhundertwerk „Die Letzten Tage der Menschheit“ zum Fanal gegen den Wahnsinn, in den sich die Menschheit treibt, sobald sie Anstand und Augenmaß verliert. Auch wir Gegenwärtigen sind nicht davor gefeit, erneut in Abgründe zu sehen, deren Geheul aus der Tiefe sich im Nu in schlagende Realität verwandeln kann, als handelte es sich um eine selbsterfüllende Prophezeiung. Denn auch heute haben Apokalypsen bzw. mehr oder weniger phantasievolle Varianten apokalyptischer Szenarien wieder Konjunktur.

Umso mehr erachten wir es als unsere Aufgabe, die literarische Warnung des Meisters der sprachlichen Salti auch heute wieder zu zitieren. Wohl auch aus Spaß an der Freud, den uns ein schier unerschöpflicher Fundus an verbaler Pointe beschert. Ebenso aber auch als Mahnung, in Zeiten von Social Media und Fake-News gerade auch die Sprache und ihre zersetzend agitatorische Macht nicht aus dem Auge zu verlieren.
Peter Wagner

Karl Kraus

Karl Kraus (* 28. April 1874 in Gitschin (Jičín), Böhmen, Österreich-Ungarn; † 12. Juni 1936 in Wien, Österreich) war einer der bedeutendsten österreichischen Schriftsteller des beginnenden 20. Jahrhunderts. Er war Publizist, Satiriker, Lyriker, Aphoristiker, Dramatiker, Förderer junger Autoren, Sprach- und Kulturkritiker sowie vor allem ein scharfer Kritiker der vorherrschenden Presse und des Hetzjournalismus seiner Zeit bzw. – wie er selbst es ausdrückte – der Journaille. (Quelle: Wikipedia)