Die Geschichte vom Soldaten

Musik Igor Strawinsky
Text Charles Ferdinand Ramuz nach einer Sammlung russischer Märchen von Alexander Afanassjew

Premiere: 13. März 2019
weiters 15., 16., 20., 21., 22., 23., 27., 28., 29. und 30. März 2019
jeweils 20 Uhr

Mit Michael Kristof-Kranzelbinder, Gerhard Lehner und Nadine Zeintl

Regie und Bühne Rüdiger Hentzschel
Musikalische Leitung Alexei Kornienko
Regieassistenz Kerstin Haslauer
Produktionsleitung Dr. Melanie Markovic
Prospekte Bella Ban
Ausstattung und Requisite Susanna Buchacher
Licht Bernd Zadow
Ton Konrad Überbacher

Solisten des Collegium Musicum Carinthia:

Violine Elena Denisova
Klarinette Rok Rupreht
Fagott Paolo Dreosto
Trompete Robert Hofer
Posaune David Miljancic
Schlagwerk Lukas Aldrian
Kontrabass Arthur Piotrowicz

 

INHALT:
Ein Soldat bekommt Urlaub von seinem Regiment und macht sich auf den Weg zurück in seine Heimat. Während seiner Reise begegnet er dem Teufel und tauscht seine Geige gegen ein Buch, das die Ergeignisse der Zukunft voraussagt. Dieses Buch eröffnet dem Soldaten unendliche Reichtümer. Doch macht den Soldaten das Geld glücklich? Oder die Liebe zur Prinzessin? Jeder Pakt mit dem Teufel fordert seinen Tribut, doch welchen hat der Soldat zu bezahlen?
Es erwartet Sie ein Spiel mit dem Teufel:
„Man soll zu dem, was man besitzt, begehren nicht, was früher war. Man kann zugleich nicht der sein, der man ist und der man war. Man kann nicht alles haben. Was war, kehrt nicht zurück“.

 ENTSTEHUNG:

»Die Idee zur Geschichte des Soldaten kam mir im Frühjahr 1917, aber ich konnte sie damals nicht entwickeln. Der Gedanke, ein dramatisches Spektakel für ein théâtre ambulante, eine Wanderbühne, zu schreiben, hatte sich mir aber schon des Öfteren seit Kriegsanfang aufgedrängt. [. . .] Ich fand mein Thema in einer von Afanassjews Erzählungen vom Soldaten und dem Teufel«.So äußerte sich Igor Strawinsky zu seinem Stück, das allerdings keine Oper ist.

Das Werk entstand im Sommer 1918 in Morges am Genfer See, dem damaligen Schweizer Wohnort Strawinskys. Gemeinsam mit dem Autor Charles-Ferdinand Ramuz griff er auf die Sammlung russischer Märchen des Märchenforschers Alexander Afanasjew (1826-1871) zurück. In der französischen Urfassung siedelte Ramuz die Handlung in der Schweiz zwischen Denges und Denezy an, während die deutsche Version von Hans Reinhart (1880-1963), einem Schweizer Schriftsteller und Übersetzer, zwischen Chur und Wallenstadt spielt. In Übereinstimmung mit den Strömungen seiner Zeit suchte Strawinsky eine schlichte und knappe Form des Musiktheaters, die zudem allgemein verständlich sein sollte. Dieses Bemühen führte im Ergebnis zu einem Werk von stilgeschichtlicher Bedeutung, das zudem großen Einfluß auf Komponisten wie Milhaud, Honegger und Auric, aber auch Egk, Hindemith und Weill ausübte. Neben den vier Personen verlangt Strawinsky nur sieben Instrumentalisten: ein Geiger, ein Klarinettist, ein Fagottist, einen Trompeter, einen Posaunisten, einen Kontrabassisten und einen Schlagzeuger.
»Die Geschichte vom Soldaten« enthält insgesamt elf primitiv zu nennende Musiknummern, deren Raffinesse die holzschnittartige Zeichnung ist. Darunter sind die drei Prinzessinnen-Tänze, ein Ragtime, ein argentinischer Tango, ein English-Waltz, ein Militärmarsch und der »Große Choral«, den Strawinsky in den Triumphmarsch des Teufels münden läßt. 1920 wurde in London unter der Stabführung von Ernest Ansermet eine Konzertsuite uraufgeführt, die der Komponist aus der Musik seines Bühnenwerks zusammengestellt hat. Die Uraufführung von »L’histoire du soldat« am 28. September 1918 im Théâtre Municipal de Lausanne leitete ebenfalls Ernest Ansermet, während die deutsche Erstaufführung 1922 unter Hermann Scherchen in Frankfurt am Main stattfand.
Man kann Strawinskys Werk als Vorläufer multimedialen Theaters bezeichnen und als ein Schulbeispiel für vielfältige Interpretationen ansehen. So hat 1978 Dario Fo das Stück als aufklärerisch agierendes Volkstheater inszeniert und Jirí Kylián 1986 in Scheveningen als Ballett für das »Nederlands Dans Theater« eingerichtet. 1988 gestaltete Ruth Berghaus eine Version in St. Moritz und 1994 war eine Inszenierung von Mundel/Volkert bei den Salzburger Festspielen in einem Zirkuszelt zu sehen.
(© Manfred Rückert für Tamino-Opernführer 2011)

Probenfoto1©Günter Jagoutz