Loibl-Saga

Ermordung, Verfolgung und Solidarität im Konzentrationslager Loibl Nord in Kärnten, erzählt von den Frauen aus Brodí

von Erwin Riess

Regie, Dramaturgie/Režija, Dramaturgija: Marjan Štikar

Eine wichtige Produktion über ein dunkles Kapitel der Geschichte.
Den Theatermacher und Kärntner Slowenen Marjan Štikar (teatr trotamora) mit der Umsetzung zu betrauen, erwies sich als Glücksgriff, denn er und sein rund 40-köpfiges Team schufen die starken Bilder zu den Fakten – drastisch, sinnlich, eindringlich.“
Karin Waldner-Petutschnig, Kleine Zeitung

 

13., 14., 15., 16. Jänner 2016 jeweils 20.00

 

Eine Produktion des klagenfurter ensemble mit dem Verein rož

ORF-Beitrag

Beitrag Dober dan Koroška

Bilder von Günter Jagoutz

Radio Agora

Dem Meer entgegen – so denken wohl viele UrlauberInnen seit dem Jahr 1963, als der Loibltunnel für den Verkehr geöffnet wurde.
Wer den Tunnel erbaute und unter welchen Bedingungen dies passierte, ist allerdings nahezu unbekannt. Als Außenstelle des Konzentrationslagers Mauthausen war vor allem das Arbeitslager Loibl-Nord auf der Kärntner Seite des Berges gefürchtet und zu Recht als Hölle auf Erden angesehen. Zu der Tatsache, nur im Juli und August von eventuellem Schneefall und Kälte verschont zu sein, kamen die oft tödlich endenden Grausamkeiten der Lagerwächter und des Lagerarztes Sigbert Ramsauer, der später unbescholten und angesehen als praktischer Arzt in Klagenfurt/Celovec ordinierte.
Das klagenfurter ensemble widmet sich ein weiteres Mal der Geschichte vor Ort und beauftragte Erwin Riess, ein Stück über diese Ungeheuerlichkeit zu schreiben. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von Peter Gstettner. Niemand könnte dieses Werk besser inszenieren als der ebenso feinfühlige wie direkte, immer in mindestens zwei Sprachen arbeitende, Marjan Štikar.

Predori povezujejo narode in ljudi. Predor na Ljubelju je že v fazi gradnje med drugo svetovno vojno kot podružnica Mauthausna na silo zbliževal ljudi iz vse Evrope, internirance ki so morali pod skrajno nečloveškimi pogoji kopati rov skozi mogočne Karavanke. Na osnovi prič časa v predstavi Brojanke pripovedujejo sago o trpljenju in tovarištvu na Ljubelju, ki se jo da razumeti le iz zgodovinske perspektive.

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Begleitend: Bilder von Manfred Bockelmann aus dem Projekt „Zeichnen gegen das Vergessen“

mit/igrajo:
Michi Frank, Lara Kircher, Mira Kofler, Katinka Kofler, Lili Kogoj, Martin Koren, David Krautzer, Lena Krautzer, Terezija Krautzer, Mirko Lepuschitz, Niko Mečina, Mihi Mischkulnig, Lea Notsch, Viola Notsch, Magdalena Novak, Hanca Pörtsch, Janoš Pušnik, Simeon Rutter, Janko Sima, Franci Spitzer, Karin Spitzer, Julija Spitzer, Zalika Steiner, Andrea, Ilja Sticker, Luka Sticker, Samo Sticker, Tonej Sticker, Rozka Tratar, Lisa Walluschnig, Martin Zwitter
Michael Kuglitsch, Gerhard Lehner , Gernot Piff, Oliver Vollmann

Akkordeon/Harmonika: Žan Šlibar (Mentor/Mentor: Mirko Šlibar)

Übersetzung ins Slowenische/Prevod v slovenščino:
Frančiška Trpin-Jelovčan, Marjan Štikar
Lektorat/Lektorat: Zalika Steiner, Tonej Sticker

Loibl-Saga_Titelbild

Bühnenbild/Scenografija: Majda Krivograd
Musik/Glasba: Jozej Štikar
Kostüme/Kostumi: Stanislava Vauda-Benečič
Visuals, Übertitelung/Nadnapisi: Rudi Melcher
Licht- und Ton/Luč & zvok: Kristijan Rehsmann, Gottfried Lehner, Konrad Überbacher
Bühnenbau/Gradnja scenografije: Wilfried Winkler
Asistentka režije/Regieassistentin: Alina Zeichen (Michi Frank)
Produktionsleitung/Vodja proizvódnje: Tina Perisutti
Grafik/Grafika: Samira Fux
Fotos/Slike: Günter Jagoutz

Danke / hvala / buh vonej / dziękuję / merci beaucoup:
Peter Gstettner, Avguštin Malle, Helge Stromberger
Maja Schlatte
Wilhelm Baum (kitab-Verlag)
Familie/Družina Kohlenprath (Brodí), Ingrid Arneitz, Edi Gernej, Herta Maurer-Lausegger, Jozej Spitzer, Catherine Tinseau, Agnieszka Überbacher

Geschichtlicher Hintergrund

Seit der Römerzeit zählt der Loibl zu den bedeutendsten Alpenpässen. Der Überfall der deutschen Militärmaschinerie auf Slowenien im Jahr 1941 führte rasch zu Planungen für einen 1,5 Kilometer langen Tunnel, der die Nachschublinien sicherstellen sollte. Die Baufirma Universale bediente sich für den Tunnelbau hunderter Zivilarbeiter. Für die besonders gefährlichen Arbeiten stellte die Gauleitung in Kooperation mit der SS rund 1200 KZ-Häftlinge aus Mauthausen und anderen KZ’s, vor allem Franzosen, Polen und Jugoslawen aber auch Griechen und Sowjetbürger. Im Süden und im Norden des Tunnels wurden ausgedehnte Lager errichtet, die von der SS betrieben und kontrolliert wurden. Der Tunnelbau wurde unter großem Zeitdruck und in grenzenloser Ausbeutung der Arbeitskräfte vorangetrieben.

Kranke Häftlinge wurden in großer Zahl nach Mauthausen zurückgeschickt, nur wenige überlebten. Transportunfähige wurden in einer offenen Grube, genannt „Krematorium“, am Rand des Lagers verbrannt. Vorher waren sie vom SS-Lagerarzt Siegbert Ramsauer durch Benzinspritzen ins Herz getötet worden (nach dem Krieg machte Ramsauer Karriere im Landeskrankenhaus Klagenfurt und betrieb von 1956 bis in die späten 1980er Jahre eine Ordination in der Innenstadt). Immer wieder wurden die Häftlinge verprügelt, mit Essensentzug bestraft oder in halsbrecherische Arbeiten getrieben. Erschießungen aus nichtigen Gründen durchs das SS-Wachpersonal, das aus ausgesuchten Sadisten und Mördern aus anderen KZ’s bestand, waren keine Seltenheit. Speziell das Nord-Lager auf der österreichischen Seite galt aufgrund seines Wachpersonals und der unerbittlichen klimatischen Umstände als Hölle auf Erden.
Die beiden Lager waren die höchstgelegenen des NS-Regimes. Schnee fiel bis in den Mai, Ende September kehrte er wieder. Besondere Bedeutung muss man auch der Tatsache zumessen, dass um das Lager Partisanen operierten und es immer wieder zu teils erfolgreichen Fluchten von Häftlingen kam, die sich dem bewaffneten Widerstand in der Regel anschlossen. Von 29 Fluchten gelangen 22. Gefasste Flüchtlinge wurden misshandelt und getötet, die übrigen Insassen büßten Fluchtversuche durch grausame Schikanen auf dem Appellplatz. Bei der Auflösung des Lagers um den 7. und 8. Mai nahmen die SS-Bewacher die Häftlinge als Geiseln und trieben sie zur Drau hinunter. Ziel war die dortige Brücke und in der Folge der Vorstoß nach Klagenfurt, wo die britische Armee Stellung bezogen hatte. Die Soldaten setzten alles daran, sich dem Zugriff der Partisanengruppen sowie der Jugoslawischen Volksarmee zu entziehen und in die britische Kriegsgefangenschaft zu kommen.

Seit 1955 erinnert an der Südseite des Loibl-Passes ein beeindruckendes Denkmal an die Greuel der Lagerzeit. Auf Kärntner Seite geschah zwanzig Jahre nichts – für das offizielle Kärnten hatte es das Lager nie gegeben. Der Opfer und Insassen des KZ’s wurde gedacht – aber auf eine sehr „österreichische“ Art und Weise. Das Lagergelände blieb unter einem Fichtenwald verborgen und am Tunnelportal wurde eine Tafel angebracht, in der in schwülstigen Formulierungen dem Elend des Krieges und den Wirren der Zeit gedacht wurde. Die Schrift war kaum lesbar, noch dazu befand sich die Tafel unmittelbar am Tunneleingang, einem Niemandsland, in dem Autofahrer weder anhalten noch aussteigen durften. Das KZ Loibl geriet in ein von offizieller Seite tatkräftig gefördertes „Vergessen“.
Es war erst zu Beginn der 1990er Jahre, als, betrieben von dem Tiroler, Univ.-Prof. Dr. Peter Gstettner, der an der Klagenfurter Universität (Pädagogik) forschte und lehrte, das Schweigen um die wichtigsten Erinnerungsorte des Kärntner Widerstands und der NS-Opfer trotz widrigster politischer Verhältnisse (es waren die Jahre der „Hochblüte“ des Haider-Systems) gebrochen wurde. Heute präsentiert sich der Ort dank Gstettners Hartnäckigkeit als würdevolle Gedenkstätte mit klaren graphischen Hilfen und einer berührenden Installation des Bildhauers Georg Planer. Jedes Jahr finden Gedenkveranstaltungen mit TeilnehmerInnen aus halb Europa und seit 2012 auch der Landesspitze statt. Im Ablauf der umsichtig organisierten Treffen spielen neben ZeitzeugInnen auch Schulklassen durch Beiträge eine wichtige Rolle.