Der 18. Whisky

Caitlin-&-Dylan-Thomas-Revue unter dem Milchwald

Stückeinrichtung & Regie: Peter Wagner

Premiere: 14. Oktober 2015, 20.00

weitere Vorstellungen: 16., 17., 20., 21., 23., 28., 29., 31. Oktober 2015, 20.00

Begibt man sich in der sternlosen und bibelschwarzen Nacht hinab zur schlehenschwarzen, zähen schwarzen, krähenschwarzen, fischerbootschaukelnden See, ist eine Begegnung mit Dylan Thomas sicher – ein Gedicht an seine große Liebe Caitlin leidenschaftlich gegen die Gischt schleudernd. Peter Wagner inszeniert in der durchdringenden, bildhaft schwingenden Sprache des bedeutenden walisischen Schriftsellers mit atmosphärisch-durchfließenden Klangwogen von Primus Sitter und Stefan Gfrerrer die alkoholgetränkte, intensive Liebe zu seiner Frau. Diese Liebe, die in ihrer Unmöglichkeit dennoch Quelle von Inspiration und zärtlicher, tiefer Empfindung ist.

Mit: Roswitha Soukup, Bella Ban, Alexander Mitterer, Gernot Piff
Komposition & Live-Musik: Stefan Gfrerrer, Primus Sitter
Ausstattung & Kostüm: Bella Ban

Bericht Ö1-Club-Sendung
Trailer
Bilder von Günter Jagoutz

 

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Irina Lino Kronenzeitung

 

Karin Waldner-Petutschnig, Kleine Zeitung

Er war der erste Dichter des zwanzigsten Jahrhunderts, dem der Status eines Rockstars zuteil wurde: Dylan Thomas. Den Engländern bereits als Wunderkind der Sprache bekannt, wurde er auf seinen vier Lesereisen durch die USA Anfang der Fünfzigerjahre zu einer Kultfigur, der Tausendschaften Zuhörer durch seine einzigartige Vortragskunst eigener und Gedichte der Weltliteratur in seinen Bann zog.

Und er starb auch wie so manch anderer spätere Rockstar, nämlich an einer Überdosis der legalen Droge Alkohol, noch keine vierzig Jahre alt: Im Herbst des Jahres 1953 brannte sein Hirn nach dem Genuss von achtzehn Whiskys in einer New Yorker Bar aus.

Somit war es Dylan Thomas auch nicht mehr beschieden, die öffentliche Erstausstrahlung jenes Werk, durch das er endgültig Weltruhm erlangen sollte, mitzuerleben: das Hörspiel „Unter dem Milchwald“, bei dem kein geringerer als Richard Burton mitwirkte.

Zu Lebzeiten ebenso umstritten wie berühmt, gehört sein Werk inzwischen zum festen Bestandteil der modernen Poesie. Seine Sprache vereint Weltschmerz und Lebenskraft, Sprachwitz und Morbidität.

„Der Erste. Ich bin ein Waliser; der Zweite. Ich bin ein Trinker; der Dritte. Ich bin ein Menschenfreund, vor allem liebe ich die Frauen“, sagte er von sich selbst. Und auch die letzte dieser Behauptungen war Teil seines Lebensdramas: Vor allem die Beziehung zu seiner Frau Caitlin entwickelte sich zu einer immer leidenschaftlicher und auswegloser werdenden Amour Fou, die nicht nur vom Alkoholismus der beiden, wilden Schlägereien und Eifersuchtsanfällen überschattet war, sondern auch eine stete Quelle von Zärtlichkeit und tiefer Empfindung für einander darstellte.

Das Stück von Peter Wagner, zusammengesetzt ausschließlich aus Originalzitaten von und über Caitlin und Dylan Thomas sowie aus Szenen von „Unter dem Milchwald“, riskiert einen Blick auf die komplexe Geschichte dieser verrückten Liebe und agiert dabei nicht nur mit der Poesie der Sprache, sondern auch mit jener der Musik, des Lichts, der Bilder und des Kostüms.

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Dylan Thomas: And Death Shall Have No Dominion