Der Patriot

von Felix Mitterer
mit Alexander Mitterer

23., 24., 27. & 28. Februar 2018
jeweils 20.00 Uhr

Inszenierung, Bühne: Klaudia Reichenbacher
Klangkulisse: Michael Merkusch

Aufführungsrechte: Kaiser Verlag Wien
Ein Gastspiel des Theater Kaendace

©A.Mitterer

In den 90er Jahren erschüttert der Briefbomber Franz Fuchs ganz Österreich. Ein pathologischer Einzelgänger ? Welcher Mensch verbirgt sich hinter dem Bombenhirn ? Was läßt ihn zum Mörder werden, zum berühmtesten Verbrecher der österreichischen Kriminalgeschichte ?
Felix Mitterer läßt Franz Fuchs selbst die Antworten geben. Er montiert die Vernehmungsprotokolle und Bekennerschreiben zu einem spannungsgeladenen Ein-Mann-Stück und zeichnet damit ein beklemmendes Psychogramm eines hochintelligenten Mannes, dessen Sendungsbewußtsein durch Kränkung und Demütigung extremistische Form annimmt. Als Zuseher gewinnt man nicht nur Einblick in das Innenleben dieses Terroristen, sondern genauso in das eigene, wird Zeuge von Mechanismen und Projektionen.
Ein Stück österreichischer Zeitgeschichte.

„Jetzt habt ihr euren Einzeltäter. Ich habe einen Auftrag erhalten, seht ihr das endlich ein?
Aber es war keine Stimme in meinem Kopf, das hättet ihr wohl gern. Das Volk von Österreich hat mir diesen Auftrag erteilt. Die Volksmeinung hat mir diesen Auftrag erteilt.
Wer war Franz Fuchs? Der Schläfer, den ihr aufgeweckt habt. Ein österreichischer Patriot. Die Waffe in eurer Hand.“
(zit.: Felix Mitterer: „Der Patriot“)

Dieses Stück dunkler österreichischer Gegenwartsgeschichte nehmen wir unter anderem auch anläßlich des 70. Geburtstages von Felix Mitterer wieder auf, um so einen der größten Gegenwartsdramatiker Österreichs zu ehren.
Leider ist die Sprengkraft dieses Textes, der ausschließlich auf die originalen Vernehmungsprotokolle und den Mitschriften des Gerichtspsychiaters Dr. Haller zurückgreift, durch unsere aktuellen gesellschaftspolitischen Verwerfungen nicht weniger explosiv geworden.

 

©A.Mitterer

Pressestimmen:
„Alexander Mitterer spielt den Monolog mit Disziplin und Konzentration, variiert das Selbstgespräch mit stimmlichen und emotionalen Akzenten und bewegt sich mit seinen Armstümpfen in makaberer Realistik. Unvermittelt wechselt er von einsichtiger Larmoyanz zu haßerfüllter Hybris, von widerlicher Besessenheit zu arrogantem Zynismus, von reiner Sachlichkeit zu emotionalen Ausbrüchen.
(Dolomiten, 11. Nov. 2009)

„Alexander Mitterer gelingt das Bravourstück, eineinhalb pausenlose Stunden allein auf der Bühne – einer kargen, kalten Gefängniszelle – seiner Rolle in jeder Sekunde treu zu bleiben, sowohl in der Körpersprache und Mimik eines nervös Angespannten als auch mit akzentuierter, scharfer Stimme. Beeindruckend, wie beklemmend.“
(OÖ Nachrichten, 14. Mai 2010)

„Ein starkes Stück, hart, beklemmend, berührend. Alexander Mitterer, bekannt als Kommissar Pfurtscheller in der ORF-Tatort-Reihe, spielt den Briefbomber Franz Fuchs in der meisterhaft schlichten und eindringlich überzeugenden Inszenierung von Klaudia Reichenbacher“ (Kleine Zeitung, Klagenfurt 13.1.2011)

 

©A.Mitterer

 

Felix Mitterer, geboren 1948 in Achkirch/ Tirol, zählt zu den erfolgreichsten Theater- und Drehbuchautoren Österreichs (Verkaufte Heimat, Piefke-Saga). Mitterer bezeichnet sich selbst als „Tiroler Heimatdichter und Volksautor“. Dabei greift er meist problematische und kontroverse Themen auf. Seine Protagonisten sind oft isolierte Außenseiter („Kein Platz für Idioten“, „Die wilde Frau“, „Die Beichte“, „Besuchszeit“, „Sibirien“ uva.). Zahlreiche Preise und Auszeichnungen.

Alexander Mitterer Geb. 1968 in Bruneck, Südtirol/ Italien
Nach seinem Diplomabschluß 1993 am Konservatorium der Stadt Wien, spielte er bei renommierten freien Gruppen wie dem Aktionstheater Ensemble, Jura Soyfer Theater, Theater zum Fürchten, Gessnerallee Zürich, klagenfurter ensemble, Bühne im Hof St. Pölten, bei den Vereinigten Bühnen Graz (Ensemblemitglied 1997 – 1999), Stadttheater Klagenfurt, Stadttheater Bruneck, bei Festivals wie dem steirischen herbst, Styriarte, Volksschauspiele Telfs,  Arbos Theater, theaterOFFensive Salzburg, Theater Panoptikum Salzburg u.a. Regiearbeiten u.a. für das klagenfurter ensemble, Theaterzentrum Deutschlandsberg, Sommertheater Frohnleiten und das von ihm mit Klaudia Reichenbacher 2004 gegründete Theater Kaendace in Graz.
Darüberhinaus Engagements als Sprecher bei Hörspiel- und Musiktheaterproduktionen.
Einem breiteren Publikum ist Alexander Mitterer besonders durch die Darstellung des Inspektors Pfurtscheller im Österreich Tatort, Buch: Felix Mitterer, bekannt ( bisher neun Folgen)
Am ke inszenierte Alexander Mitterer zuletzt Nietzsche oder Das deutsche Elend.
Nähere Informationen. www.alexandermitterer.at

Klaudia Reichenbacher Freie Regisseurin, Choreographin, Schauspielerin. Studium der Theaterwissenschaft (Mag. Phil.), Schasuspielakademie Ulm (D), arbeitet seit 1989 freischaffend in Graz. Gründete das Tanztheater Graz – Tanztheatereigenproduktionen bis 2004. 2004 gründet sie gemeinsam mit Alexander Mittererer die freie Gruppe „Theater Kaendace“, das sich aktuellem Autorentheater und Eigenkreationen widmet. Regie-Ausstattungs -und Schauspielarbeiten für Theater Kaendace seit 2005: „Die Beichte“ von Felix Mitterer, „Wozzek oder das Leben liebt die Klinge“/ A.Widner, „Der Rest ist Sehnsucht“/Liepold-Mosser, „Elling“/ Hellstenius, „Zabibi und Muzalifa“/Bente Jonker, „Die Kommission“/Rippmann, „Kegome“/Reichenbacher, „Elvira und die Stubenfliege“/ Gert Jonke, „Der Patriot“/ Felix Mitterer, „Bis daß der Tag euch scheidet“/ Peter Handke, „Algot Storm“/Lindgren, Torudd,  „Hinter Augen“/ Catherine Aigner, „Birdlife oder die Theorien der Luft“ / Alexander Mitterer, „Sanftwut oder der Ohrenmaschinist“/ Gert Jonke, „Das Leben der Hedy Lamarr“/ Alexander Mitterer, „Das Sissi Syndrom – eine Notverstaatlichung“/ Alexander Mitterer, „Dunkel lockende Welt“/ Händl Klaus, „Undine geht“/Ingeborg Bachmann, „Die Nerven der Fische“/ Josef Krasanowsky & Alexander Mitterer, „Den Wind kann man nicht aufhalten“/ Reichenbacher, Liedtexte Mercedes Sosa, „Ich ersehne die Alpen. So entstehen die Seen“/ Händl Klaus
Daneben Gastengagements und pädagogische Tätigkeit.
weitere Infos www.theaterkaendace.at

Die Attentatserie – eine Chronologie
Anfang Dezember 1993: Erste Briefbombenserie. Zehn Briefbomben werden verschickt. Die Adressaten Pfarrer August Janisch (Engagiert sich für Asylwerber und Flüchtlinge), Silvana Meixner (Moderatorin /ORF Minderheitenredaktion), Helmut Zilk (Bürgermeister von Wien) sowie eine Masseverwalterin eines insolventen türkischen Vereins werden schwer verletzt.
Die weiteren Briefbomben an Helmut Schüller (Caritas), Madeleine Petrovic, Terezija Stoisits (beide: „Die Grünen“), Wolfgang Gombocz (Vertreterorganisation steirischer Slowenen) Johanna Dohnal (Frauenministerin, SPÖ) konnten entschärft werden.

24. August 1994 Die Klagenfurter Rohrbombe vor einer zweisprachigen deutsch-slowenischen Volksschule. Beim Versuch die Bombe zu entschärfen, werden dem Polizeibeamten Theo Kelz beide Hände weggesprengt.

5. Oktober 1994 Die zweite Briefbombenserie. Vier Bomben, adressiert an den Klagenfurter Wieser Verlag, einen Verein zur Betreuung von Ausländern in Dornbirn, eine Papierfabrik in Hallein und den Abt von Stift Wilten in Tirol, erreichen ihre Empfänger nicht.

5. Februar 1995 Rohrbombe in Oberwart. Vier Oberwarter Roma kommen beim Versuch ein Schild mit der Aufschrift „Roma zurück nach Indien“ zu entfernen, ums Leben.

Anfang Juni 1995 Die dritte Briefbombenserie,gerichtet an Arabella Kiesbauer (Fernsehmoderatorin), Dietrich Szameit (Bürgermeister Stv. Von Lübeck, der sich für ein hartes Urteil im Fall der Brandstiftung an der Lübecker Synagoge aussprach), eine Partnervermittlung in Linz. Die Briefbomben werden von Mitarbeitern geöffnet, verfehlen so ihre eigentlichen Ziele.

16. Oktober 1995 Die vierte Briefbombenserie. Die Flüchtlingshelferin Maria Loley, sowie ein syrischer Arzt werden beim Öffnen der Briefe verletzt. Die dritte Bombe an einen südkoreanischen Arzt wird rechtzeitig entdeckt.

11. Dezember 1995 Die fünfte Briefbombenserie mit vier Bomben an das Wiener Büro des Flüchtlingskommissariats der Vereinten Nationen, ein ungarisches Partnervermittlungsbüro, Angela Resetarits und eine aus Indien stammende Wiener Familie. Zwei der Bomben explodieren vorzeitig in einem Postkasten, zwei weitere können abgefangen werden.

9. Dezember 1996 Die sechste Briefbombenserie. Eine an Lotte Ingrisch (Autorin, Stiefmutter des damaligen Innenministers Caspar Einem) gesandte Bombe explodiert bei der Untersuchung durch die Polizei.

1. Februar 1997 Die Polizei warnt vor neuen Briefbomben. Bisher wurden 50.000 Menschen überprüft, 140 Hausdurchsuchungen vorgenommen, 8500 Hinweisen wurde nachgegangen, als Belohnung sind 13,2 Millionen Schilling ausgesetzt. Kosten der bisherigen Ermittlungen: 200 Millionen Schilling.

1. Oktober 1997 Am ersten Tag der Rasterfahndung gerät Franz Fuchs in eine Polizeikontrolle, weil er zwei Frauen verfolgt hat, die er für Polizeispitzel hält. Er zündet eine Rohrbombe, die ihm seine Hände wegsprengt und die Polizisten schwer verletzt. Er wird festgenommen.

2. Oktober 1997 Franz Fuchs bezeichnet sich als Auftrags- und nicht als Einzeltäter. Beweismittel in seiner Wohnung in Gralla /Bezirk Leibnitz, Steiermark werden sichergestellt.

23. Dezember 1997 Die Einvernahmen von Franz Fuchs werden vorläufig abgeschlossen.

5. Oktober 1998  Die Anklage wegen vierfachen Mordes, zweifachen Mordversuchs, mehrfacher schwerer Körperverletzung ist rechtskräftig.

21. Jänner 1999 Franz Fuchs wird von der Staatsanwaltschaft als geistig abnorm eingestuft.

2. Februar 1999 Der Prozeß beginnt. Franz Fuchs entzieht sich, indem er lautstark Parolen brüllt bis er aus dem Saal geführt wird. Zeugen, wie Maria Loley, bezweifeln die Einzeltätertheorie.

9. und 10. März 1999 Vom Geschworenengericht für Strafsachen in Graz wird Franz Fuchs zu lebenslanger Haft verurteilt. Einweisung in die Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher.

26. Februar 2000 Franz Fuchs erhängt sich mit dem Kabel seines Rasierapparats in seiner Zelle in der Justizanstalt Graz-Karlau. Lebenszeichen der BBA gab es seit der Verhaftung Franz Fuchs nicht mehr.

August 2009 Briefbombenopfer Maria Loley beantragt die Neuaufnahme der Ermittlungen. Sie bezweifelt, wie viele andere, die Einzeltätertheorie.

Die verhinderte Konfrontation – Text von Peter Wagner zum Prozeß

Gastspiele:
Theater Kaendace gastierte mit  „Der Patriot“ seit der Premiere im Sept. 2009 im Tanz- und Theaterzentrum Graz bislang an folgenden Bühnen: Stadttheater Bruneck, Kulturhaus Schlanders (Südtirol), THEO Oberzeiring, Theaterzentrum Deutschlandsberg, OHO Oberwart, Stadttheater Leoben, volkstheater Festival Dechantskirchen, Kosmos Theater Bregenz, Stadtwerke Halle Hartberg, Kulturzentrum HOF Linz, Theater Meggenhofen, 3raumAnatomietheater Wien, Kellerbühne Puchheim, kleines theater Salzburg, Wakuum Thalgau, Kulturforum Hallein. (52 Vorstellungen).