WIR SIND HIER UM UNS ZU UMARMEN

Von Richard Klammer - für Georg Timber Trattnig

Howgh! sprach Büchnerpreisträger Josef Winkler – mit >Hatatitla< wird´s nix – muss Bücher abliefern ….
Howgh! sprach das ke – dann spielen wir Timber Trattnig!

WIR SIND HIERUM UNS ZU UMARMEN

Eine REVUE durch das schier unerschöpfliche Werk
des viel zu früh verstorbenen Kärntner Autors und Multitalents
Georg Timber Trattnig

Regie und Konzept: Oliver Welter
Videoinstallationen: Markus Brandstätter

Premiere: 30. Oktober 2012

weitere Aufführungstermine:
31. Oktober
07. / 08. / 10. / 15. / 16. und 17. November,

jeweils um 20 Uhr

Oliver Welter

Oliver Welter

Die Theatergruppe ‚Uns hängt die Zunge zum Hals heraus’, bestehend aus den
Darstellern Nadine Zeintl, Iris Stromberger, Gerhard Lehner, Oliver Vollmann,
Oliver Welter, Reinhard Gaschler und Walter Fanta, sowie diversen Überraschungsgästen spielt, tanzt, singt, lacht, weint und trinkt sich durch das schier unerschöpfliche Werk des viel zu früh verstorbenen Kärntner Autor und Multitalent Georg Timber Trattnig.

In einer versucht aberwitzigen 100minütigen Show werden, in gekürzter Form,
die Stücke ‚Pathos’ und ‚Robinson Hurensohn’, sowie das Drehbuch ‚B17’
behandelt, Lyrik und diverse Fragmente des Autors zum Besten gegeben,
das Buch ‚Die Sehnsucht der Schneemenschen’ von verschiedenen geladenen
Gästen an den zehn Aufführungsterminen bis zum Ende gelesen sowie – coram
publico – Menschen interviewt und befragt, die auf verschiedenste Art und Weise
mit Georg Timber Trattnig in Verbindung gebracht werden können.

Dazu wird sich ein, von der Truppe live vorgebrachter, musikalischer Reigen gesellen, der sich von anglo – amerikanischen Epigonen wie Lou Reed und Nick Cave über das mexikanische Volkslied bis hin zum deutschem Schlager spannt und dem schlafenden Genius des Literaten genügen wird können. Vor allem auch, weil es sich hierbei um die eindeutig musikalischen Präferenzen des Literaten, Musikers und Grafiker Georg Timber Trattnig handelt.

Und da eine Revue auch den Körper, den Tanz und das Performative einfordert, wird
an diesen Abenden auch eben jenes von den Mitgliedern der Truppe verlangt.
Natürlich aber ganz im Sinne der Arte Povera – arm, ärmer, am ärmsten.

Über allem soll – wiederum dem Autor geschuldet – die Würde eines jeden Einzelnen stehen, die Liebe und Demut gegenüber Sprache, Körper und Geist, der Glaube an das Gemeinsame und die Unabdingbarkeit der Dinge. Und eine dionysische Kraft, die uns antreiben wird mit Lust und Freude ins Universum des Sprachtitans vorzudringen. Ohne Angst vor Peinlichkeiten, ohne Sorgevor Kritik und Rezeption, ohne Rücksicht auf etwaige Verluste. Was hätten wir schon zu verlieren?

Zwölf Jahre, die zu schnell vergingen seit dem Ableben von Georg Timber Trattnig, rund 20 Jahre seit der Premiere seiner ersten Bühnenstücke und eine halbe Ewigkeit der Missverständnisse rund um den Kärntner Autor, der stets als misanthropischer Geist, als Berserker des Dunklen, als Wehklagender und sich Verzehrender gezeigt und gespielt wird. Nicht aber als das, was er auch und noch viel mehr war – ein Befürworter und Stifter menschlichen Zusammenlebens, ein Begleiter und Weggefährte in bösen Stunden, ein Freund von Humor und Slapstick, ein Mahner und auch ein hoffnungslos Naiver zugleich. Ein Juwel!

Am Ende dieses Abends werden wir um keinen Cent reicher sein. Vielleicht aber werden wir erfahren warum Georg Timber Trattnig Antonin Artaud und Arthur Rimbaud stets als wichtige Inspiration genannt hat, warum er ein Seelenverwandter von Ingeborg Bachmann war, warum er beim Tod des bayerischen Volksschauspielers Walter Sedlmayr geweint hat, die Popikone Patty Smith zu ehelichen gedachte, ein Fan des Schalker Verteidigers Yves Eigenrauch war, bei Louis de Funes hemmunglos lachen musste, bei Leonard Cohen zu Tode betrübt war, Sallinger für den besten Autor von Kurzgeschichten hielt, Lokalitäten
mit Jukeboxes bevorzugte, und Bier, dem Wein, der Reinlichkeit verfallen war, lieber mit Zuhältern um die Häuser zog als mit Germanistikprofessoren und eigentlich nur einen einzigen Fehler machte, nämlich das Leben gegen den Tod zu tauschen.

‚Du bist hier um die Zeit kurz zu schneiden’, so ein wunderbarer Satz des Autors.
Also werden wir alles kurz und klein zu schneiden versuchen an diesem Abend ohne Rück- und Wiederkehr.