UKSUS

Jakov Lejbos er ist Maler
stand beim Bier. und ich wie er.
Er zu mir: Und du bist Bäcker?
Ich zu ihm: So ungefähr.

UKSUS

OBERIUper in 4 Kisten

Uraufführung am 6. Dezember 2012
Kammeroper von Erling Wold
Auftragskomposition des klagenfurter ensemble
Premiere: 06.12.2012 | 20:00 Uhr | Theater Halle 11, Klagenfurt
Weitere Vorstellungen: 07., 08., 13., 14., 15.12. 2012

Eine Produktion von klagenfurter ensemble und VADA
(Verein zur Anregung des dramatischen Appetits)

Texte von Daniil Charms, Aleksandr Vvedenskij, Konstantin Vaginov, Marina Malytsch, Igor Bachterev, Leonid Lipavskij und Nikolaj Zabolockij

Libretto & Regie: Yulia Izmaylova & Felix Strasser
Musik: Erling Wold

Mit:
Adolfo Assor, Rüdiger Hentzschel, Gerhard Lehner, Josef Oberauer, Sirje Aleksandra Viise

Orchester:
Michael Erian, Anton Feinig, Stefan Gfrerrer, Richard Klammer, Emil Kristof, Primus Sitter

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charmsOBERIU – die VEREINIGUNG REALER KUNST – war eine literarische Avantgardevereinigung im Leningrad der 1930er Jahre. Ihre Werke schließen als logische Konsequenz von Symbolismus und Futurismus die Entwicklung der experimentellen russischen Vorkriegsliteratur ab. Sie sind die Erfinder der Absurde und Entlarver des stalinistischen Systems.
Die Kammeroper «Uksus» (russ. für Essig) beschäftigt sich biographisch mit der zentralen Figur der OBERIU – Daniil Charms (wobei unter anderem die Lebenserinnerungen seiner zweiten Ehefrau verarbeitet werden), andererseits wird versucht, ebenfalls beruhend auf Zeitzeugenberichten, die Atmosphäre des legendären Abends «Drei linke Stunden» wiederzugeben, mit dem die OBERIU 1928 im Leningrader Haus der Presse das erste und einzige Mal an eine breite Öffentlichkeit trat. – Nach diesem Auftritt wurden alle Mitglieder der OBERIU aufgrund antisowjetischer Propaganda verhaftet, verbannt oder mit einem Berufsverbot belegt. Nach ihrer Freilassung trafen sie sich sporadisch zu privaten Rezitations- und Diskussionsabenden und nannten sich nur noch «Klub der halbanalphabetischen Dichter».

Weiter ging es so:

– 1934 Konstantin Vaginov stirbt kurz vor seiner Verhaftung an Tuberkulose
– 1937 Verhaftung Nikolaj Olejnikovs, in Haft erschossen
– 1938 Verhaftung und Verbannung Nikolaj Zabolockijs
– 1941 Verhaftung Alexander Vvedenskijs, stirbt in Haft
– 1941 Verhaftung Daniil Charms, verhungert in der Gefängnispsychiatrie
– Leonid Lipavskij und Dojvber Levin fallen im Krieg
– Jurij Vladimirov ertrinkt
– 1942 rettet Jakov Druskin eine Schlittenladung voll Manuskripte für die Nachwelt

Ihre Poesie «schuf eine verkehrte Welt unsinniger Gaukeleien. Sie entfaltete sich als ein Anschlag auf den sogenannten gesunden Menschenverstand, auf die Welt des Mittelmaßes, der Langeweile und der aufgeblasenen Solidität. […] Sie parodieren pseudophilosophischen Tiefsinn, Didaktik, leere Rhetorik, Streitigkeiten um nichts.» (Lola Debüser)

«Sie entdeckten das Absurde nicht nur vor Beckett und Ionesco, in einem gewissen Sinn waren sie auch radikaler. […] Hinter dem Absurden eines Beckett oder Ionesco bleibt immer noch ein Sinn zu vermuten. Der Aufbruch der Oberiuten in den Unsinn war kompromisslos konsequent.» (Olga Martynova, Bachmannpreisträgerin 2012)

Koka Brjanskij: Ich heirate heute.
Mutter : Was?
Koka Brjanskij : Ich heirate heute.
Mutter : Was?
Koka Brjanskij : Ich sage, ich heirate heute.
Mutter : Was sagst du?
Koka : Ich sage, ich will heu-te – hei-ra-ten!
Mutter : Hei? Was heißt das, hei?
Koka : Hei-rat!
Mutter : Rat? Was für ein Rat?
Koka : Nicht Rat, sondern Hei-Rat!
Mutter : Also doch kein Rat?
Koka : Genau, kein Rat, und aus.
Mutter: Was?

Koka: Na, kein Rat. Verstehst du! Kein Rat.
Mutter : Jetzt kommst du wieder mit diesem Rat. Ich weiß nicht, wieso Rat.
Koka spuckt aus : Tffu! Hei und Rat! Was soll denn dieses Hei! Du mußt doch selbst sehen, einfach hei zu sagen, ist unsinnig!
Mutter : Was sagst du?
Koka : Hei, sage ich, ist unsinnig!!!
Mutter : Nig?
Koka : Was soll denn das bloß? Wie bringst du das fertig, nur einen Wortfetzen zu hören, und dann noch so einen sinnlosen: nig! Warum ausgerechnet nig!
Mutter : Jetzt sagst du wieder nig!
Schaffner (zum Chor):
Was habt ihr hier zu singen!
Hier ist nicht der Ort.
Wo sind eure Billetts?
Chor:
Hier sind die Billetts!
Hier sind die Briketts!
Und hier die Kling-Klang-Klarinetts!
Schaffner:
An der nächsten Haltestelle setze ich euch an die Luft
Ein Mönch stieg hinab in die Gruft zu den Toten und rief: „Christ ist erstanden!“ Und alle antworteten ihm im Chor: „Er ist erstanden, wahrhaftig erstanden
Es war einmal ein Rotschopf, der hatte weder Augen noch Ohren. Er hatte auch keine Haare, so daß man ihn an sich grundlos einen Rotschopf nannte.
Sprechen konnte er nicht, denn er hatte keinen Mund.
Eine Nase hatte er auch nicht.
Er hatte sogar weder Arme noch Beine. Er hatte keinen Bauch, er hatte keinen Rücken, er hatte kein Rückgrat, er hatte auch keinerlei Eingeweide. Nichts hatte er! So daß unklar ist, um wen es hier eigentlich geht.
Reden wir lieber nicht weiter darüber.
!.

Daniil Charms

Daniil Charms wurde 1905 als Daniil Iwanowitsch Juwatschow in St. Petersburg geboren. Er war Gründungsmitglied der avantgardistischen Künstlergruppe OBERIU, die nach zwei Jahren 1930 verboten wurde. Um der Zensur zu entgehen, schrieb er Literatur für Kinder, wodurch er seinen Lebens unterhalt nur notdürftig bestreiten konnte. Charms wurde mehrfach verhaftet und aus St. Petersburg (Leningrad) verbannt. .
Beinahe wäre Charms‘ Werk ins Räderwerk der Geschichte geraten: Bis in die späten 80 er Jahre hinein waren die Texte dieses Genies des Komischen und Absurden in der Sowjetunion verboten. Der Autor selbst verhungerte 1942 in stalinistischer Gefangenschaft, nach Jahren politischer Verfolgung. Nur durch Glück und den Einsatz eines Freundes wurden seine Kurzgeschichten, Gedichte, Theaterstücke und Notizen vor dem stalinistischen Terror-Regime gerettet. Über die letzten Jahrzehnte konnte so sein Nachlass aufgearbeitet werden. Auf dieser Grundlage basiert die erste deutsche Werkausgabe, die in der Übersetzung von Beate Rausch und Alexander Nitzberg Charms nicht nur als Meister des Satirisch-Grotesken und Absurden, sondern auch als großartigen Sprachartisten und urkomischen Nonsens-Künstler neu entdeckt, ein russisches Gegenstück zu Ringelnatz. Charms‘ Figuren stolpern durch die Idiotie ihres Alltags, fallen oder lösen sich gar auf. Dabei trifft der kafkaeske Nonsens, der in der Diktatur als ein verzerrtes Abbild der Wirklichkeit gelesen wurde, mitten hinein in das allgemein Menschliche. (Aus dem Vorwort zu: Daniil Charms,Werke in 4 Bänden,Herausgegeben von Vladimir Glozer und Alexander Nitzberg,Verlag Galiani Berlin, 2011)

Erling Wold

http://www.erlingwold.com

Avoiding the light and heading deeper into the darkness, Erling Wold feels his way forward, one hand upon the right wall, counting his steps, looking for the passageway that has so far eluded him but will lead him out the other side, to his promised salvation. He falters. I reach out to steady him and, as my hand takes his arm, I slip into his coat pocket a token, a small medal engraved with a Liberty Bell, a token that was my mother’s, given to her at the Sesquicentennial Exposition of 1926 in Philadelphia, celebrating the anniversary of the signing of the secret codicil to the Declation of Independance [sic]. He leans over, and I fear he is falling again, but I feel the heat of his breath in my ear as he whispers. „Erling,“ he says, „help me. I have striven so hard, studied with so many now long dead: Gérard Grisey who died too young; Andrew Imbrie, who died in sorrow; given so much time to the false god of Ambition, a jealous mistress who has asked so much of me, always interrupting the trysts and adventures and liaisons that would have afforded me true pleasure.“ „But Erling,“ I say, „you have so much, a happy life, newly married, and you have accomplished so much, so many productions and compositions and board memberships, CD and DVD releases, publications, travels and performances around the world, that even the Chronicle has sung of your success as an ‚urban creative hipster‘ and ’someone with a long history of getting twice as much done in a day as the rest of us,‘ and do you remember the Village Voice toasting you as ‚the Eric Satie of Berkeley surrealist/minimalist electro-art rock?‘ How can you ask for more?“ „I’m tired, Erling. I’ve fought for so long for so little.“ At this point, he sags and, gripping my arm tightly, uses it to lower himself, leaning back against the wall. „I give up. I will just stay here and keep working. I have my remounting of Queer next year, at the SFIAF and in New York, and Chosen, the opera based on the woman who drowned her three children in the Bay on the orders of God, and my commission – who could forget it – to write a wall of sound for the Sofia Philharmonic. Do you have a pen and a scrap of paper? And maybe a match to dispel the darkness.“
Erling Wold is a composer, aesthete and a bon vivant, who recently saw the premiere of two of his large works, his Missa Beati Notkeri Balbuli Sancti Galli Monachi in St Gallen, Switzerland, and his solo opera Mordake for tenor John Duykers in the San Francisco International Arts Festival. Both have been released on CD. He completed a noise-music collaboration in the fall with fognozzle for electronics and orchestra which premiered in San Francisco. He is cofounder and executive director of the San Francisco Composers Chamber Orchestra, which has just completed its seventh season of new orchestral works. He is working on several new operatic works as well as a series of pieces for the Denisova-Kornienko duo in Vienna. His dance opera Blinde Liebe, on a true crime story, was recently performed in Europe and the US with Palindrome Dance of Nürnberg Germany.
His chamber works have been presented in Philadelphia by Relâche, in San Francisco and Santa Cruz by New Music Works, and by the San Francisco Conservatory New Music Ensemble. He completed a residency at ODC Theater with a presentation of his opera Sub Pontio Pilato, an historical fantasy on the death and remembrance of Pontius Pilate (also performed in Austria), a chamber opera based on William Burroughs‘ early autobiographical novel Queer, and his critically acclaimed work A Little Girl Dreams of Taking the Veil, based on the Max Ernst collage novel. The latter piece was given its European premiere in a German version by the Klagenfurter Ensemble in 2001 and toured to Max Ernst’s hometown of Brühl.
He has written a number of solo piano works, including Albrechts Flügel, premiered by Finnish pianist Marja Mutru and more recently Veracity, which he premiered. He has worked extensively with dancers in the US and Europe. He has written a number of pieces for a dancer-controlled interactive video and music system for Palindrome dance. He has also worked with Nesting Dolls in Los Angeles and San Francisco on several theater and dance projects, including 13 Versions of Surrender and I brought my hips to the table. Most recently he has co-composed the scores for several Deborah Slater Dance Theater projects with fixed-media sound artist Thom Blum.
He is an eclectic composer whose teachers include Gérard Grisey, Robert Gross, Andrew Imbrie and John Chowning, but who has also been called „the Eric Satie of Berkeley surrealist/minimalist electro-artrock“ by the Village Voice. He composed the soundtracks for four Jon Jost films. There are a number of CD and DVD releases of his music, and a DVD series is planned by MinMax over the next year. He was included in the first magazine/CD issue of the Leonardo Music Journal, and he has had a number of works published by Tellus and the Just Intonation Network. He has published technical and artistic articles in several publications, including IEEE MultiMedia, Proceedings of the International Computer Music Conference, SIGGRAPH, the Just Intonation Journal 1/1, IEEE Transactions on Computers and several books. He has six patents in musical signal processing. He holds a doctorate from the University of California at Berkeley and was a researcher in signal processing and music synthesis at Yamaha Music Technologies before cofounding Muscle Fish LLC, an audio and music software company. He has an Erdös Number of 5.
Some other biographical information can be found on Wikipedia, and also in interviews with UsOperaWeb and 21st Century Music. And my blog.

Felix Strasser

Teilnahme an Literatur- und Drehbuchwettbewerben, Finalist im ORF-Wettbewerb «Drehbuch 2000». Dreisemestriger Schauspielkurs an der Universität Klagenfurt. Co-Regie und Darsteller im Kurzfilm «DICKICHT» (2002). Mitglied der Theatergruppe DIBRE (Fürst Myschkin in V. Sorokin: «DOSTOJEVSKIJ-TRIP»; P: Europahaus Klagenfurt 2002). Mitglied des Tischlerei-Ensembles von Roland Jaritz (Garcin in J.P. Sartre: «GESCHLOSSENE GESELLSCHAFT»; P: Tischlereitheater Klagenfurt 2005).
In der Spielzeit 2005-2006 Engagement am KONCEPTUALNYJ TEATR KIRILLA GANINA in Moskau (Russland). Hauptrollen in: «19 Zentimeter» (nach N. Gogol «Die Nase») – Kollegienassessor Kovaljov; «Russian Language for Bastards and Bimbos» (V. Jaremenko-Tolstoj) – Pascuale; «Abende antifaschistischer Pornographie» (K. Ganin, H. van der Klejm) – amerikanischer Soldat, Carla del Ponte; «Adam & Eva» (K. Ganin) – Adam; «Naked VIPs» (K. Ganin, verbatim) – dt. Journalist Günther Heidelfrucht; «Die Lolitchenfabrik» (K. Ganin) – Joob van der Huj; «Alye Parusa» (nach A. Grin) – Kapitän Grej.
Mehrere Soloauftritte in verschiedenen Moskauer Klubs und Galerien (u.a. im Michail-Bulgakov-Museum) und am Wiener Pygmalion-Theater mit 10minütigen Plotmontagen aus Flugzetteln und russischer Nationalliteratur (Zyklus «Genosse Ausländer»).
Seit 2004 Zusammenarbeit mit BORIS RANDZIO.
Gründung von VADA.
Chef-Plotmonteur des THEATERS DER LETZTEN SEITE.
Regie und Hauptrollen in: «Zitatnost – ein Fußnotendrama. 30 Autoren in einem Akt» (U: Künstlerhaus Klagenfurt 2004); «Theater der letzten Seite» (U: kärnöl, Villach 2005); «Ja… was… wollen wir nicht Alles! Eine kosmische Protzenkomödie nach Paul Scheerbart» (U: kärnöl, Villach 2008); «Das puffkeistische Vadaskop» (U: Freistaat Burgstein, Merano/Meran 2009).
Gemeinsam mit YULIA IZMAYLOVA Regie und Hauptrolle in «Dr. Caranthanus‘ Octobermanipulation. Eine patriotische Jahrmarktsidiotie» (U: kärnöl, Villach 2006); «Postnationales Weltgeschmatze» (U: Solidarische Ökonomie Kongress Wien 2009); «marinetti und die Bindestrich-Feministin» (U: Alpen-Adria-Universität Klagenfurt 2009); »Vadaistischer Tram-Kram» (P: Grazer Straßenbahn 2010).
Mitbegründer von ONEX, der Vereinigung nostratischer und protonostratischer Exilliteraten – Rotte Russland / Ob“edinenie nostratskoj ekzil’noj literatury.
Gemeinsam mit Kevin Anding und Daniel Herzig Autorenschaft, Regie und Hauptrolle in «EXrta/AUSdämund» (U: kärnöl, Villach 2007); «Grenzgeplänkel im Speisewinkel» (U: Wo/Galerie, Graz 2008); «KRANitzelEntWertung» (U: Brandshof, Hamburg 2008); «Die widerstandslos Heiligen» (P: Lange Nacht der Museen, Klagenfurt 2009). Mitherausgeber der Zeitschrift «onaGRÜTZ».
Mit Roland Jaritz 2007 Regie und Hauptrolle in «Global Kitchen. Eine soziale Grießposse» im Rahmen des Klagenfurter StadtLabors (Gesamtleitung: Andreas Staudinger) sowie 2008 Mitwirkung im Projekt «Pirsch» von Andreas Staudinger. Lichtdesign für die Produktionen «Dreh dich nicht um» (2008) und «Zeit_Spuren» (2009) von Bernadette Prix-Penasso, Tanztheater Omega Kai Alpha. Dramatische Gestaltung des UNIKUM-Projekts «Wortwechsel | Diverbio | Prerekanje» (U: Triestiner Karst 2010).
Seit 2009 Intendant des Kremlhoftheaters Villach.
Momentan mit YULIA IZMAYLOVA Arbeit an verschiedenen Produktionen für das Kremlhoftheater. Zuletzt als Regisseur und Darsteller in «Hexagonale Graus- und Appetithappen» (Okt. 2009); «Schnee» (Jan. 2010); «Ulicy-tupiki / Sackgassen» (März 2010); «Das Leben ist ein Schrank» (Juni 2010).