FREI RAUM

FREI RAUM

ein projekt des KE im messeareal klagenfurt
© ANDREAS STAUDINGER
eine szenische auseinandersetzung mit temporärer architektur und den sich daraus ergebenden frei- und möglichkeitsräumen im weitläufigen areal der „klagenfurter messe“.

video:
sigrid elisa pliesnig
martin schinagl

installationen:
performance:
oliver vollmann, heinrich baumgartner, sigrid pliessnig, martin schinagl, rüdiger hentschl, gerhard lehner, jutta fastian, michael kuglitsch

musik:
klanginstallationen: jozeij stickar
karin loitsch
prix (e-boards)
miramis mattitsch (cello)

tanz:
tanzensemble bernadette prix
break dancer – STREET LIVE MAD
parcours/ david schessl und schülerInnen/paletten mülltonnen – DJ/musik
“institut für interventionsforschung und kulturelle nachhaltigkeit”

ausgangspunkt: theaterhalle 11

31. mai, 1. juni 2012 22uhr

die temporäre, mobile architektur hat zwar ihre ursprünge in den ständen und verkaufsbuden der mittelalterlichen märkte, tatsächlich aber sind diese „flüchtigen“ bauten eher ein merkmal unserer zeit. wohl kaum eine andere epoche hat derartig viele improvisierte und kurzlebige bauten unterschiedlichster zweckbestimmungen und ansprüche hervorgebracht wie das letzte jahrhundert. ausstellungspavillons, propagandabauten, notunterkünfte, fertighäuser, filmarchitekturen, bühnenbilder, raumkapseln, hochsitze, baumhäuser, campingwägen, wohnmobile und „instant cities“ zählen zu dieser art provisorischer architektur jenseits tradierter typologien.

raum und die durch ihn entstehenden orte sind aber dazu da genutzt zu werden. was passiert nun mit räumen, die nur seltenbesetzt werden? was geschieht in der „zwischenzeit“? ist das dann eine schlafzeit, eine traumzeit oder nur eine auszeit? und vor allem was passiert, wenn man sogenannte „kreative“ und sogenannte „experten“ mit diesen leer- und zwischenräumen konfrontiert und sie auf architektonische gegebenheiten und räumliche atmosphären reagieren lässt?

eine „messe“ war früher ja nicht nur ein ökonomischer umschlagplatz, sie war auch ein treffpunkt, eine agora, ein basar der ideen, innovationen und begegnungen, von der man „inspiriert“ wieder nachhause fahren konnte.

spannen wir also einen rettungsschirm und setzen das spiel der möglichkeiten in gang (vom leer-raum zum lehr-raum, vom vor-raum zum um-raum, vom frei-raum zum raum der unbegrenzten möglichkeiten) und lassen uns retten von raum-greifenden ideen und umdeutungen – wenigstens für ein paar nächte. billiger als banken retten ist das allemal.

TEMPORÄRE ARCHITEKTUR

temporäre architektur (auch: ephemere architektur) bezeichnet architektur-konzepte, die sich mit temporären strukturen und bauwerken beschäftigen. diese haben eine beschränkte lebens- und nutzungsdauer und sind oft nur eine übergangslösung, um einen akuten bedarf zu stillen. häufig handelt es sich um mobile architekturen, also anlagen die für eine zeit an einem standort aufgebaut, dann wieder demontiert und woanders wiederaufgebaut werden. in der bauordnung wird der begriff fliegender bau verwendet.

temporäre architekturen aus anlass größerer festlichkeiten finden sich schon im barock – beispielsweise triumphbögen, pylonen etc, die entlang der routen zeremonieller ein- und umzüge aufgestellt wurden. als temporär konzipiert wurden und werden auch viele bauten für zeitlich begrenzte ausstellungen und messen. temporäre bauwerke dienen zuweilen auch als platzhalter für spätere, solider ausgeführte versionen des selben projektes.

FREIRAUM

der begriff freiraum gründet, für einen menschen, prinzipiell in der möglichkeit, seine identität wahrzunehmen und zu entwickeln. der freiraum soll sowohl den rahmen der eigenen kreativität aufzeigen als auch anregen, über die grenzen des freiraums zu reflektieren. freiräume an sich haben klare bedingungen und stehen in bezug zueinander.

durch die rahmenbedingungen regel, individualität und aktivität wird menschen das bewusstsein für freiraum gegeben, was zu einer tiefergehenden auseinandersetzung und veränderung der freiräume führen kann. die Interaktion von individuen kann zu einer beeinflussung ihrer freiräume führen, da sich durch die interaktion auch die individualität oder der interaktionspartner verändern kann.

freiräume lassen sich in geistige und körperliche freiräume untergliedern. diese sind hinsichtlich ihrer möglichkeiten zu unterscheiden. während psychische freiräume die unendlichkeit der eigenen vorstellungskraft zulassen, unterliegt der physische freiraum den gesetzmäßigkeiten der umwelt und des körpers. was beide jedoch gemein haben, ist das begrenzte leistungsvermögen des menschlichen körpers. obwohl es zunächst so scheint, als sei der geistige freiraum körperlos, so bildet schlussendlich doch die begrenzte biologische kapazität unseres gehirns die natürliche grenze dieses gedanklichen konstruktes.

ANDREAS STAUDINGER

http://www.andreas-staudinger.at/

http://www.schlosslind.at/

1956 in scharnstein/oö geboren; studium der germanistik, geschichte und publizistik in salzburg; lebt seit 2011 auf der baustelle schloss lind/das ANDERE heimatmuseum in st.marein/neumarkt
zahlreiche ortsspezifische theaterprojekte im in- und ausland, ua.:
INVISIBLE CITIES (rom, new york, stockholm, liverpool, malta, klagenfurt); STROMLINIEN (festival der regionen); KREUZung (bruckner festival); NIGHTWALKS, NACHTDIENST, STADTLABOR, SCHOOL-EXERCISES, NACHTZUG, NACHTGARAGE; INSTANT HOME STORIES
2012, ua.:: HADSCH II (kultur raum kirche); OBERWÖLTZ SPERRT ZU (regionale 12); SITZEN GELASSEN (baustelle schloss lind)
uraufgeführte stücke, ua.:
FREMD KÖRPER (schauspielhaus wien); SCHMERZ RAUM STILLE (studiobühne villach; theater ag, wien); SCHATTEN ROSEN SCHATTEN (stadttheater klagenfurt); NACHT WIND (volkstheater, wien); SLOW FLASH (festival for experimental theatre, kairo; KE-theater); CAMERA ECHO (beckett-center, dublin; KE-theater); SENSO (teatro vascello, rom; KE-theater); SCHLACHTFEST, (bregenzer frühling); DREAMLAND, libretto (kommunale oper villach); URT, (spielboden, dornbirn; dietheater wien); JAM-FACTORY, libretto (kommunales musical villach); PARADIESEITS, libretto (bregenzer festspielhaus); DARK SIDE OF THE MOON (stadttheater klagenfurt); ZUKUNFTSMASCHINE (festspielhaus bregenz)
preise, ua:
KÄRNTNER KINDERBUCHPREIS; nominierung für den DEUTSCHEN KINDERTHEATERPREIS; DRAMATIKERSTIPENDIUM des bundes; DRAMATIKERPRÄMIE land oberösterreich