ABSOLUTION

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von Alois Hotschnig

absolution_gruen (1)Premiere am 5. März um 20 Uhr im Theater Halle 11. Weitere Vorstellungen: 6., 7., 8., 11., 12., 13., 15., 19., 20., 21., 22. März 2014, jeweils um 20 Uhr.

Kartenreservierung: 0463/ 310 300 aktuelle Fotos

 

Uraufgeführt wurde das Stück des ersten Jonke-Preisträgers 1994 am Schauspielhaus Wien – und wurde damals stark gekürzt. Alois Hotschnig hat jetzt dramaturgische Umstellungen vorgenommen, so daß ab 5. März in Klagenfurt (und im November als Gastspiel am Schauspielhaus Salzburg) gewissermaßen eine Neufassung zu sehen sein wird. In dieser Inszenierung von Rüdiger Hentzschel wird auch die Grande Dame Julia Gschnitzer in der Rolle der Berta in Klagenfurt zu sehen sein. Es spielen: Julia Gschnitzer, Katharina Schmölzer, Oliver Vollmann, Theo Helm und Gerhard Lehner.

IMG_4062Als wichtigste Thematik des Stückes fungiert nicht der Vorwurf eines Missbrauchs an sich, sondern die Mitwisserschaft, die Zeugenschaft, das Schweigen jener, die sehen und hören – aber nicht reden … Grausame Wahrheiten werden hinter der Fassade des bürgerlichen Anstands verborgen. Georg, der Sohn der Familie, möchte die Heuchelei ein für alle Mal beenden ….

 

Alois Hotschnig

Was stimmt, muss nicht immer gelogen sein.“

 

Für die bin ich jetzt tot. Sag ih­nen das. Da­mit fing es an, in ei­ner S-Bahn in Ber­lin im No­vem­ber.

Einige Sitzreihen vor mir hatten zwei junge Männer schon eine ganze Weile lautstark miteinander gestritten. Mit einem Ruck riss sich jetzt einer der beiden vom anderen los und sprang aus dem Wagen, der gerade Halt gemacht hatte. Die Tür schloss sich. Der Zug fuhr wieder an. Von draußen schlug der Mann mit der Hand gegen die Tür und rief uns diesen Satz in den Wagen hinein nach. Für die bin ich jetzt tot.

Wer sagt das. Ein Toter sagt das. Ein Toter, der lebt, offenbar, nur eben für diese „anderen“ nicht. Das ging mir nach. Was musste geschehen sein, dass es so weit kommen konnte, fragte ich mich.

Wovon ich gerade Zeuge geworden war, wusste ich nicht, doch diese Begegnung hatte etwas in mir ausgelöst, das mir keine Ruhe mehr ließ. Und so machte ich mich auf die Suche nach möglichen Ursachen für dieses vorläufige Ende einer Geschichte, deren Zeuge ich gerade geworden war.

Ich fand sie am Bahnhof Zoo, am Platzspitz, am Karlsplatz und an den namenlosen Plätzen und Orten, die mir näher und nahe rückten, je mehr ich mich auf sie einließ, und in den Wohnzimmern und Kinderstuben meiner Kindheitsorte und also an den Orten meiner Erinnerung seither und jetzt.

Ich hatte meine Geschichte gefunden, eine Geschichte vom Zusehen und vom Wegsehen, von Zeugenschaft und davon, was diese Zeugenschaft mit einem macht, auf der Suche nach dem eigenen Standpunkt, nach Haltung um uns herum und in uns.

Sie spielt im Kopf, in den Köp­fen und vor aller Au­gen, auch wenn es die Ge­schich­te ei­ner Ver­heim­li­chung ist.

Auf ei­nem Platz spielt sie, auf dem Pauls­platz, öf­fent­lich, und in ei­nem Zim­mer, ge­heim, insgeheim. In diesem Zimmer sagt einer, uns gibt es über­all. Das stimmt. Und was ge­schieht, ge­schieht über­all, im­mer, auch jetzt.

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Alois Hotschnig P1080154 (1)

Geboren 1959 in Berg im Drautal, lebt in Innsbruck.

Zahlreiche Auszeichnungen, u.a. Erich-Fried-Preis (2008), Anton-Wildgans-Preis 2009 und Gert-Jonke-Preis (2011). Verfasser von Prosa, Theaterstücken und Hörspielen.

Das Stück „Absolution“ wurde 1995 am Schauspielhaus Wien uraufgeführt, das Hörspiel „Die Kleineren Reisen“ 2011 zum „Hörspiel des Jahres“ gewählt. Die Romane „Leonardos Hände“ und „Ludwigs Zimmer“ sowie der Erzählband „Die Kinder beruhigte das nicht“ wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Zuletzt erschien der Erzählband „Im Sitzen läuft es sich besser davon“, der 2012 vom Theater Waltzwerk in einer dramatisierten Fassung am klagenfurter ensemble aufgeführt wurde.

Alois Hotschnigs Bücher erscheinen im Verlag Kiepenheuer & Witsch und als Taschenbücher im Haymon Verlag.

 

Rüdiger Hentzschel (Regie) 16511_23382_HentzschelRdiger2_frProHeft_Ansicht-Frei_Ansicht-Frei

 

ist in Karlsruhe geboren und lebt seit seiner Schauspielausbildung, die er von 1984-88 am dortigen Max-Reinhardt-Seminar absolvierte, in seiner Wahlheimat Wien. Schauspielengagements führten ihn unter anderem an die Württembergische Landesbühne Esslingen sowie viele Wiener Bühnen, von Volkstheater, Schauspielhaus und Theater in der Josefstadt bis hin zur Off-Bühne Gruppe 80

Seit 1995 arbeitet Rüdiger Hentzschel als Regisseur. In Wien inszenierte er beispielsweise Das Land wo Milch und Honig fließen im Theater Drachengasse, Elena und Robert im Theater in der Josefstadt sowie Oleanna, Wir sind keine Engel, Komödie im Dunkeln, Die Grönholm-Methode und zuletzt Hin und Her am Scala-Theater.

Seine äußerst erfolgreiche Inszenierung von Drei Schwestern war in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf Tournee. Zuletzt inszenierte Rüdiger Hentzschel in Frankfurt Toutou von Daniel Besse und Agnès Tutenuit, Rose von Neil Simon in Düsseldorf , Gut gegen Nordwind in Berlin und Die Falle in München.

 

Dem Klagenfurter Publikum ist er als Schauspieler seit >Zicada< und >Mein Reich ist in der Luft< (Jonke-Collage) bekannt und hat zwei äußerst erfolgreiche Produktionen als Regisseur beim >klagenfurter ensemble< zu verbuchen: 2011 war es >Scheissentag< – eine revuehafte Montage von Ernst-Jandl-Texten als Annäherung an seine Biografie über seine Texte und im Sommer 2012 >Was geht uns das an< – eine Montage von Texten von Werner Kofler zu verdrängt-verschwiegenen Anteilen von Kärntnern Tätern am Holocaust …